Meinungen

Wilhelm-Fredemann-Oberschule

Kooperation mit dem Verein Lesen-Schreiben-Rechnen

Eine Stellungnahme von S.Apeler, Rektorin der Wilhelm-Fredemann-Oberschule

Melle, Juni 2015

 

1.      Entstehung der Kooperation

 

Es gehört zum Unterrichtsalltag, dass einzelne Schülerinnen und Schüler Schwierigkeiten haben, erfolgreich am regulären Unterricht teilzunehmen. Dies hat in der Regel folgende Ursachen:

- Längere, krankheitsbedingte Fehlzeiten

- Schulwechsel (z.B. nach Umzug)

- Sprachschwierigkeiten (Schüler unter 14, die nicht an Sprachkursen des              Landkreises teilnehmen dürfen) oder Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund, deren Familiensprache nicht deutsch ist.

- Ein Thema, z.B. in Mathematik  „Bruchrechnung“ ist nicht verstanden worden.

 

In allen diesen Fällen ist es so, dass die Kinder eine individuell auf ihre Bedürfnisse ausgerichtete Unterstützung brauchen. Hier reichen z.T. wenige Stunden, um ein verpasstes Thema aufzuarbeiten und den Kindern wieder der Anschluss an den normalen Unterricht ermöglicht wird. In Zeiten knapper Unterrichtsversorgung von Seiten des Landes hat die Schule oft keine Stundenreserve um solche temporären Lernschwierigkeiten aufzufangen.

Die Schule hat die Erfahrung gemacht, dass die normalen Maßnahmen des schulinternen Förder- und Forderkonzepts dann nicht ausreichen, um die Kinder entsprechend ihrer höchst individuellen Bedürfnisse zu stützen.

 

2.      Formaler Ablauf

 

Lehrerinnen und Lehrer, denen in ihren Lerngruppen Schüler auffallen, die Schwierigkeiten haben, beantragen eine Förderung durch den Verein LSR bei der didaktischen Leitung der Schule. In diesem Antragsformular werden mögliche Förderzeiten angegeben. Basis für die Teilnahme sind gute Bewertungen im Arbeits- und Sozialverhalten, damit mit einer positiven Einstellung zum Förderunterricht gerechnet werden kann.

Die Förderzeiten müssen parallel zum normalen Unterricht liegen, da wir eine Schule sind, deren Schüler auf den Transport mit den Schulbussen angewiesen sind. Es gibt nach den Unterrichtszeiten keine direkten Busverbindungen mehr zwischen den einzelnen Ortsteilen.

Die Eltern erklären schriftlich ihr Einverständnis mit der Fördermaßnahme.

Die didaktische Leitung organisiert die Abfrage beim Verein, ob eine Förderung möglich ist und leitet entsprechende Maßnahmen ein (Zeitabsprachen, Raumfrage, Gespräch zwischen Lehrer und Verein).

Die Lehrerinnen und Lehrer, die die Schüler für die Fördermaßnahme ausgesucht haben, instruieren die Kollegen des Vereins LSR zu den gewünschten Inhalten und versorgen sie mit entsprechenden Arbeitsmaterialien.

Der Verein Lesen-Schreiben-Rechnen garantiert den vertraulichen Umgang mit den Informationen zu den betreuten Schülern. Die Fördermaßnahmen sind für die Kinder kostenlos, der Verein bittet lediglich um eine Spende.

 

Somit wurde ein sehr niedrigschwelliges Angebot implementiert, dessen Inanspruchnahme für Schüler und Eltern so einfach ist, dass es gut und sehr gerne angenommen wird. Es müssen keine Anträge über das Bildungspaket gestellt werden, es muss kein Nachhilfeinstitut gesucht werden und der Transport  ist geregelt. Die Eltern müssen die Kinder nicht extra fahren.

 

3.      Nutzen für die Schule und die Schüler

 

Die Lehrerinnen und Lehrer haben die Möglichkeit auffallende Lerndefizite bei ihren Schülern in den Kernkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen unkompliziert und zeitnah anzugehen. Durch die Kooperation haben sie die Möglichkeit, Schüler aus ihren größeren Lerngruppen individuell  fördern zu lassen, ohne dass sie den Rest ihrer Lerngruppen aus den Augen verlieren. Für die Lehrerinnen und Lehrer bedeutet das eine große Entlastung, da sie die Förderung zwar nicht selbst durchführen, aber sie so durchgeführt wird, dass eine engste Verzahnung mit dem eigenen Unterricht erfolgt.

Die Schüler haben die Möglichkeit innerhalb kurzer Zeit, ihre Lücken mit professioneller pädagogischer Hilfe wieder schließen zu können. Sie machen die Erfahrung, dass sie mit ihren Schwierigkeiten gesehen werden und dass man sich um sie kümmert. Vielen Kindern gelingt es nicht nur, ihre Lücken zu schließen und somit ihre Noten zu verbessern, sondern sie genießen die Zuwendung und Aufmerksamkeit in der Einzelförderung oder in der Kleinstgruppe. Sie profitieren also nicht nur in Bezug auf die schulischen Kernkompetenzen, sondern auch in ihrer Persönlichkeitsentwicklung.

Sie lernen, dass man durch aktives Verhalten an seinen Schwächen arbeiten kann und dass es Erwachsene gibt, denen sie so wichtig sind, dass sie sich in ihrer Freizeit freiwillig um sie kümmern.  Sie erfahren Wertschätzung und erleben Förderung nicht als Stigma, sondern als eine Bereicherung. Solche positiven Lernerfahrungen verhindern zukünftige schulische Misserfolgserlebnisse und bilden die Basis für das Erlernen von Strategien zum selbstorganisierten Lernen.

 

4.      Die eingesetzten Förderkräfte

 

Herr Thomas Schulz ist ehemaliger Kollege der Wilhelm-Fredemann-Oberschule. Er kennt nicht nur das Schulgebäude, sondern ist durch persönliche Kontakte mit der Schulleitung und dem Kollegium verbunden. Dies erleichtert Absprachen ungemein. Es findet ein Austausch auf Augenhöhe statt.

Die pädagogische Arbeit mit Kindern gehört zu seiner pädagogischen Profession. Er wird von den Schülerinnen und Schülern, die er betreut sehr geschätzt. Ihm gelingt es, ein vertrauensvolles Verhältnis aufzubauen.

Herr Kretschmann unterstützt uns schon im 4. Jahr. Zunächst war er über ein vom Lions-Club Grönegau initiiertes Projekt an unserer Schule, nun über den Verein.

Herr Kretschmann ist sehr verlässlich und hilfsbereit. Er hat ein freundliches, sehr klares Auftreten und ist bei seinen Schützlingen sehr angesehen. Sie lassen sich bereitwillig von ihm helfen und wenden sich auch durchaus mit privaten Sorgen an ihren „Opa Kretschmann“.

 

Bericht von M. Pabst (Lehrkraft der Wilhelm-Fredemann-Oberschule)

Neuenkirchen, 19.6.2015

Max (Name geändert) war im 5. Schuljahr häufig unsicher, insgesamt in seinem Verhalten, vor allem in seiner Rechtschreibung. Er ließ vielfach in Sprache und in Schrift Wortendungen weg und arbeitete sehr flüchtig, ungenau und teilweise unkonzentriert.

Durch die regelmäßige Übung mit und Betreuung durch Herrn Schulz hat sich seine undeutliche Aussprache deutlich verbessert. Er ist sicherer in der Rechtschreibung und im Ausdruck geworden.

Die positiven Auswirkungen zeigen sich in anderen Fächern, z.B. in Geschichte oder Biologie. Es ist ihm deutlich anzumerken, dass sein Selbstwertgefühl gestiegen ist. Das zeigt sich auch in seinem Selbstvertrauen und in seiner sozialen Kompetenz.

 

Frau Judith Schneider, Lehrerin der Wilhelm Fredemann Oberschule in Neuenkirchen, schreibt im Juli 2014:

Herr Kretschmann ist seit dem Schuljahr 2012/2013 an der Oberschule Melle/Neuenkirchen als ehrenamtlicher Mitarbeiter tätig. Er unterstützt uns hier insbesondere im Mathematikunterricht im Jahrgang 6. Außerdem betreut er an zwei Nachmittagen in der Woche einzelne- besonders förderbedürftige- Schüler und arbeitet mit ihnen behandelte Unterrichtsinhalte nach.
Er hilft ihnen beim Anfertigen der Hausaufgaben, lernt mit Ihnen vor den Arbeiten und wiederholt und vertieft Inhalte aus dem Mathematikunterricht. Speziell durch diese Unterstützung lassen sich bei den Schülern deutliche Verbesserungen und Fortschritte feststellen. Diese sind sowohl bei den Klassenarbeiten als auch in der mündlichen Beteiligung zu beobachten.
Die von Herrn Kretschmann betreuten Schüler konnten sich alle um mindestens eine Note verbessern und zeigen sich im Unterricht insgesamt merklich selbstsicherer.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

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